Ein geschenkter Tag
von Anna Gavalda

Eine wirklich eindringliche Erzählung über die Verbundenheit von Geschwistern. Eingebunden in eine unkomplizierte, unaufgeregte, fast schon lapidar wirkende Rahmenhandlung – den Besuch einer Hochzeit und eine spontane Landpartie – erlaubt Gavalda den kurzen, aber sehr prägnanten Einblick in die geschwisterliche Dynamik zwischen den Protahonosten und erreicht damit eine überraschende erzählerische Tiefe.

Die Geschichte ist sehr intensiv, der Leser kann schnell in die Charaktere einsteigen, es entsteht überraschend schnell ein Hineinfinden und Identifizieren mit den Charakteren. Aus kurzen Sequenzen zeigen sich typische Eigenschaften, die Figuren werden plastisch, sind von Anfang an glaubhaft. 

Der Titel ist so treffend! Ein geschenkter Tag, noch einmal jung sein, noch einmal rumblödeln, sich necken, sich zusammenschwören, noch einmal Probleme auf morgen schieben , noch einmal…
Die Erzählung umfasst lediglich zwei Tage. Durch die herausragende Figurengestaltung erlaubt es Gavalda dem Leser das Ende der gemeinsamen Reise der Geschwister als zerreißend, als Verlust, als tieftraurig zu erleben. 

Die Geschichte ist in der Reihe FischerTaschenbibliothek des Fischer Verlages erschienen. Das Format liebe ich übrigens sehr! Die kleinen Hardcover Büchlein sind sehr edel aufgemacht, immer mit passendem Lesebändchen ausgestattet und haben abgerundete Ecken.  Besonders schön ist, dass Autor und Titel auf einen runden Sticker gedrückt sind, der sich abziehen lässt.

Fazit: Eine sehr schöne Lektüre, wie prädestiniert für einen Nachmittag im Park, auf einer gemütlichen Decke und nebendran ein Picknickkorb. Fantastisch unaufgeregt und dabei doch so anziehend. Typisch Gavalda, wunderschön und in diesem Format sogar noch ein bisschen mehr 😉


160 Seiten, erschienen bei Fischer unter ISBN-13 978-3-596-51217-1  10,- €

Originaltitel: L’Echappée belle Übersetzung: Ina Kronenberger