Die Eismacher
von Ernest van der Kwast


Die Art wie es van der Kwast gelingt die Innenwelt des Protagonisten aufleben zu lassen fand ich sehr ansprechend.
Die Stringenz der Erzählung war zu Beginn wenig eindeutig, Analepsen waren nicht ganz klar gekennzeichnet und es brauchte etwas bis ich mich bei den Figuren und den Zusammenhängen zurecht fand. Es wirkte sprunghaft, bruchstückhaft. Dadurch wurde aber die Ambivalenz des Protagonisten deutlich. Das Hin- und Hergerissen sein zwischen familiärer Verpflichtung und Anbindung aber auch Selbstverwirklichung war förmlich greifbar. Für den Leser wird immer mehr verständlich, dass Giovanni eine Geschichte zu erzählen scheint. Man hat fast den Eindruck mit ihm bei einem Glas Wein im sommerlichen Rotterdam zu sitzen, auf die Eisdiele seiner Familie hinüber zu schauen und ihm in seine Erinnerungen zu folgen.

Mehr als ein halbes Jahrhundert kein langer, sonniger Sommer, kein früher Sommer, kein leerer Sommer, kein schwüler Sommer, kein kühler Sommer, kein wehmütig süßer Sommer, kein Sommer am Meer.

Man merkt schon, dass van der Kwast sich viel Zeit genommen hat und gut recherchiert. Die Landschaftsbeschreibungen sind authentisch und die erwähnten Orte gibt es tatsächlich ähnlich der Beschreibung. Schön sind auch die eingeflochtenen lyrischen Bruchstücke. Kleine Erinnerungsfetzen, passend zur Stimmung des Szenarios.

Auf dem Klappentext heißt es abschließend: „Denn er liebt das Lesen so sehr wie das Eis. Bis eines Tages sein Bruder Luca ein höchst ungewöhnliches Anliegen hat…“ Hier so entscheidend eingeführt, lassen doch die ersten Hinweise auf dieses „Anliegen“ bis auf Seite 220 auf sich warten und bricht dann innerhalb 10 Seiten heraus. Eine Wendung der Geschichte bringt es nicht, auch keine Reifung oder Wandlung der Figuren. Schade.

Fazit: Hach das Buch hatte mich gleich schon überzeugt mit der Passage wie der Urgroßvater als junger Mann im Winter nach Wien reist um heiße Maronen zu verkaufen und im Frühjahr mit einem Eisrezept und einer Eismaschine zurückkehrt. Allerdings hat es seine Längen und die Zeitsprünge führen eher zu einer Genervtheit als zum Aufbau eines Spannungsbogens. Am Ende wusste ich nicht, was er mir eigentlich sagen wollte und die Geschichte ist in ihrer Gänze doch recht belanglos. Daher ein „oder nicht“.


400 Seiten, erschienen bei btb unter ISBN-13 978-3-442-71597-8 19,99 €

Originaltitel: De Ijsmakers Übersetzung: Andreas Ecke